Seebahnhof in Gdynia
Das Gebäude des Seebahnhofs wurde 1932 vom Berliner Zweig des Unternehmens Dyckerhoff & Widmann entworfen. Die Anlage wurde am 8. Dezember 1933 in Betrieb genommen, und die feierliche Weihe erfolgte durch Bischof Okoniewski. An der Eröffnungsfeier nahmen unter anderem der Minister für Industrie und Handel Ferdynand Zarzycki, die Minister Józef Beck, Emil Kaliński, Bronisław Nakoniecznikow-Klukowski, Władysław Marian Zawadzki, Kazimierz Papée sowie General Gustaw Orlicz-Dreszer teil. Der Seebahnhof diente als Basis für die Passagierflotte "G-A-L", die Routen nach New York und Südamerika bediente. Er hatte eine Fläche von 2,5 Tausend Quadratmetern und war mit allen notwendigen Einrichtungen für die Aufnahme und Abfertigung von Passagieren ausgestattet. Der repräsentative Saal mit festlichen Treppen befand sich vorne, und die Abflughalle befand sich im ersten Stock. Eine der innovativen Lösungen war die Verbindung der Passagiere über Stege direkt zur Abflughalle auf dem am Kai vertäuten Schiff. Während der Zwischenkriegszeit fanden sonntägliche Gottesdienste für Hafenarbeiter und das Hauptmaritime Büro in Gdynia sowie Silvesterbälle am Bahnhof statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bahnhof zu Bürozwecken umfunktioniert. Nach der Besetzung von Gdynia durch deutsche Truppen wurde die Frontfassade von polnischen Symbolen befreit. Aufgrund alliierter Bombenangriffe auf den Hafen wurde ein Teil der Passagierhalle beschädigt, aber aufgrund von Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion der ursprünglichen Gebäudestruktur vorübergehend repariert. Nach dem Krieg waren verschiedene Institutionen wie die Hafenkapitänschaft und das Post-Telegrafie-Büro in dem Gebäude untergebracht. Der Passagierverkehr wurde in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wieder aufgenommen. In den 1970er Jahren betrieben neben Passagierdiensten verschiedene Hafeninstitutionen im Gebäude, darunter das Fachgebiet für Schifffahrtsdienstleistungen der Hafenbehörde Gdynia, das Zollamt und das Post-Telekommunikationsamt Gdynia 18. Seit dem Ende des transatlantischen Versands durch polnische Reedereien im Jahr 1987 erfüllte der Seebahnhof seine ursprüngliche Funktion nicht mehr und wurde in ein Bürogebäude für Hafenunternehmen und -institutionen umgewandelt. Im Jahr 2005 wurde das Projekt SEBTrans-Link gestartet, das unter anderem das Konzept zur Revitalisierung des Seebahnhofs beinhaltet. Derzeit nutzen Kreuzfahrtschiffe immer häufiger die Kaianlagen auf beiden Seiten des Seebahnhofs als Liegeplätze im Hafen.
