Das Gutshaus in Mirachowo – Zeuge der kaschubischen Geschichte und Tradition
Das Gutshaus in Mirachowo, im Herzen der Kaschubei gelegen, blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück und diente von 1473 bis 1772 als Residenz der nichtkastellanierten Starosten. Auf dem Anwesen fanden Landgerichte und Sejmik-Versammlungen statt. Zur Zeit des Herzogs Świętopełk, Herrscher von Pommern, gehörte Mirachowo zur Danziger Kastellanei und lag in der sogenannten Chmielnińska-Land. Bereits 1253 war Świętopełk Herr über diese Ländereien, und später, 1381, gründeten die Kreuzritter in Mirachowo ein Vogtamt, das dem Danziger Komtur unterstand. Nach dem zweiten Frieden von Thorn (1466) gehörten diese Gebiete zum Woiwodschaft Pommern. Nach der ersten Teilung Polens 1772 übernahmen die preußischen Behörden das Anwesen und entschädigten den letzten Starosten Ignacy Przebendowski mit 4.666 Talern. Die Preußen richteten ihre Ämter im Herrenhaus ein, verlagerten diese jedoch 1891 nach Karthaus, und das Anwesen ging in den Besitz von Ernst Röhring über, später an wechselnde Pächter. Ende des 18. Jahrhunderts wurde an Stelle des alten Holzhauses eine neue Residenz errichtet, mit einem einstöckigen Wirtschaftsgebäude im Norden. Das Gebäude weist eine Fachwerkkonstruktion mit Backsteinfüllung auf, geschmückt mit ovalen Gauben und einem hohen Satteldach. Die Ostfassade verfügt über eine dekorative Eingangshalle, während sich im Westen ein Garten erstreckt, der einst mit einem Park verbunden war. Die ursprüngliche, runde Zufahrt vor der Residenz ist noch erhalten. Nach der Parzellierung des Anwesens im Jahr 1930 ging das Herrenhaus in den Besitz der Familie Wardyn über, die es mit einer kurzen Unterbrechung während des Krieges bis heute bewohnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte die Familie Wardyn nach Mirachowo zurück und bewahrte den Charakter des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert durch Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1969–1970 und 2012–2013. Obwohl das Herrenhaus an einem beliebten Wanderweg liegt, ist es nicht zur Besichtigung freigegeben.
